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Langfassung: Bentley Mulsanne EWB

Über den Dingen schweben

Der Mulsanne ist optisch sowie technisch aktualisiert; dazu kommt Familienzuwachs mit dem „Extended Wheelbase“ oder EWB.

Ob nun die eine britische Marke der Inbegriff der Luxus-Limousine ist oder eine andere, darüber kann man diskutieren. Oder es ausprobieren.
Ausnahmsweise einmal chauffiert und nicht selbst gefahren: In der neuen Karosserie-Version des Mulsanne mit verlängertem Radstand, was sich auf Englisch so edel liest wie es ist –  „Extended Wheelbase“.

Foto: Bentley
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Dahinter steckt eine Verlängerung um 35 Zentimeter auf jetzt 5,825 Meter. Der um 25 Zentimeter auf 3,516 statt 3,266 Meter gedehnte Radstand kommt dem Fondraum zugute.
In dem lässt es sich auf zwei Leder-Fauteuils, getrennt durch eine mächtig-vielseitige Mittelkonsole aus Holz, Leder, Glas & Metall (inklusive Getränke-Kühlschrank und auf Wunsch eigens kreierten Champagner-Flöten) à la Airline-First Class trefflich reisen, auch mittels der neuen auf Tastendruck justierbaren Beinauflagen.

Draußen bleiben!

Zur Zerstreuung beitragen kann eine 2.200-Watt-Soundanlage mit 18 Lautsprechern. Zum Surfen oder Streamen übers bordeigene W-LAN-Netz (LTE-Standard) stehen auf Tastendruck ausfahrbare und justierbare Tablets in den Vordersitzlehnen parat, der eigene Laptop kann auf einem aufwendig konstruierten Klapptischchen platziert werden.
Von der Außenwelt kann man sich zusätzlich mit elektrisch zu betätigenden Vorhängen abschotten. Derweilen unter einem der 6,75-Liter-V8-Twinturbo mit unverändert 512 PS (und 1.200 Nm), gekoppelt an eine Achtgang-Wandlerautomatik vor sich hin schnurrt.
Der 2,7-Tonner kann, wenn er losgelassen, in 5,3 Sekunden auf hundert sein. Schluss mit dem Vorwärtsdrang ist bei 297 km/h. Ein Speed, der sich im Fond nur dadurch bemerkbar macht, indem die Landschaft draußen Geschwindigkeits-Unschärfen annimmt.

Gutes noch besser

Die neue Langversion ging Hand in Hand mit einer Optik- und Technik-Überarbeitung aller Varianten des Limousinen-Flaggschiffs. Außen ergibt das einen neuen Kühlergrill mit vertikalen Edelstahl-Rippen, neue LED-Scheinwerfer und –Heckleuchten an einer retuschierten Außenhaut.
Feinjustiert sind ebenso Fahrwerk, Lenkung und Bremsen. Die frisch eingezogenen Fahr-Assistenten wie unter anderem ein Totwinkel-Warner, halten sich akustisch vornehm im Hintergrund.
Das tun sie sowohl im „Kurz“-Mulsanne, mit ebenso 512 PS, als auch in der Speed-Version mit 537 PS (und 1.100 Nm). Letzterer ist schon in 4,9 Sekunden auf 100 km/h. Die Tachonadel kann tatsächlich die 300er-Marke überschreiten.
Interessiert? Die Österreich-Preise: Mulsanne: ab 387.900 Euro, Mulsanne Speed: ab 422.900 Euro, Mulsanne EWB: ab 458.000 Euro.

Es geht noch mehr: Bentleys neuer Mulsanne

Luxus & more

Die Luxus-Schmiede präsentiert ihr modernisiertes Topmodell. Zum ersten Mal gibt es ihn in drei verschiedenen Varianten.

Foto: Bentley
Foto: Bentley

Sechs Jahre nach der Markteinführung unterzog die VW-Tochter Bentley seinem Topmodell Mulsanne einer Frischzellenkur. Die Karosserie wurde vor allem an der Front geändert: Kotflügel, Motorhaube und die Frontscheinwerfer wurden überarbeitet und zeigen sich nun eleganter. Der Kühlergrill und die Stoßstange wuchsen um 8 Zentimeter in der Breite.
Im Innenraum spendiert die Luxusmarke dem Mulsanne nicht nur ein optisches Update, welches sich durch den 8-Zoll-Touchscreen, neuen Sitzen und Türverkleidungen bemerkbar macht. Auch technisch rüstet Bentley den Mulsanne weiter auf. Ein neues Infotainment-System samt 60 Gigabyte Festpatte und W-LAN-Hotspot sind serienmäßig an Bord.
Foto: Bentley
Foto: Bentley

Für jene, die lieber auf der Rückbank reisen bietet Bentley nun auch eine Langversion an. Der um 25 Zentimeter getreckte Radstand kommt dabei ausschließlich den Passagieren im Fond zugute – Liegesitze mit Fußauflage inklusive.
Wem die 512 PS und 1.020 Newtonmeter aus dem V8-Biturbo zu mager sind, kann nun auch zum Mulsanne Speed greifen. Die sportliche Version stemmt 537 PS und satte 1.100 Newtonmeter auf die Kurbelwelle und beschleunigt den Wagen in unter fünf Sekunden auf 100 km/h. Preise hat Bentley noch keine genannt.
Fotos: Bentley
 

Speziell: Bentley Mulsanne Speed „Blue Train“

Höchste Eisenbahn

Moderner Techno-Klassiker: Vier spezielle Bentley erinnern an ein „Heizerl“ im Jahr 1930…

Wer heutzutage weite Strecken bewältigen will, es eilig hat und ein bisserl Schikane („Security“) ertragen kann, nimmt den Flieger. Vor 85 Jahren war das anders! Da waren die Schnellzüge die flotteste Verbindung zwischen den Metropolen. Fliegen war halsbrecherisch, und das Auto für längere Reisen nicht zuverlässig genug.

Illustration: Bentley
Illustration: Bentley

Von Calais aus beförderte der Calais-Mediterranée-Express, oder auch (weil ganz in Blau gehalten) „Train Bleu“, betuchte Sommerfrischler in aller Eleganz an die Riviera. Und er war dabei schneller als jedes Auto. Das wurmte die Autofirmen, vor allem im United Kingdom.
Die Sache war schon damals höchst illegal: Das erste Auto, das schneller war als der Zug, kam aus dem Hause Rover. Auf den ungefähr 20 Stunden Fahrzeit schlug der “Light Six” im Jänner 1930 den Express um knapp 20 Minuten.
Die Firma Alvis wollte nicht dem nachstehen. Anfang März gelang einem ihrer Wagen sozusagen ein Kantersieg: Drei Stunden schneller trotz Regen, Spritmangel und langer Wartezeiten bei (Zufall?) Bahnübergängen.

Heizer gegen Chauffeur

Dem Bentley-Boss Woolf Barnato war das zu wenig. Er nahm den Mund recht voll: Er könne mit seinem Bentley Speed Six nicht nur den Train Bleu schlagen, sondern obendrein beim Eintreffen des Zuges in Calais schon wieder in London sein.

Foto: Bentley
Foto: Bentley

Das klang nur deshalb nicht vollends verrückt, weil er es tatsächlich schaffte. Am 14. März 1930 fuhr der mutige Captain Barnato, seines Zeichens dreifacher Le-Mans-Sieger (den dritten holte er sich einige Monate später), tatsächlich vier Minuten vor dem Eintreffen des Zuges in Calais vor seinem Club in London vor.
Der Lohn: eine gewaltige Geldstrafe, der Ausschluss der Firma vom Pariser Autosalon wegen eines illegalen Rennens, und bis heute anhaltender Nachruhm für die Marke Bentley! Detail am Rande: Heutzutage wird das später gebaute “Blue Train”-Coupé als Referenz verwendet, Barnatos Rekordwagen war aber eine Limousine.
Debüt auf der Techno-Classica: Nur vier Stück des speziellen Bentley werden unter dem Label Mulliner in Handarbeit gebaut. Dazu gibt man dem ersten Fahrzeug auch einen speziellen Picknickkorb mit Porzellan und Tafelsilber sowie eine schottische Wolldecke mit auf den Weg. Zug fährt ab!