Wahl 2017: Was ist mit Motorsport?

Alle reden über Silberstein, wir reden mit den wahlwerbenden Parteien über Silverstone, genauer gesagt über ihre Positionen in Sachen Motorsport.

 

Zugegeben, es gibt Wichtigeres zu besprechen in diesem Wahlkampf. Dennoch ist Österreich ein Land mit einer Vielzahl an aktiv wie passiv Motorsportbegeisterten, die Großveranstaltungen am Red Bull Ring locken Hunderttausende an die Strecke.

Wir haben im Vorfeld der Nationalratswahl, die am kommenden Sonntag über die Bühne geht, alle wahlwerbenden Parteien kontaktiert. Alle zehn österreichweit auf den Stimmzetteln aufscheinenden Listen bekamen von uns dieselben drei Fragen gestellt.

Wie wir erfahren haben, hat unsere Anfrage für allerhand Wirbel bei den Pressestellen der Parteien gesorgt, da sich kaum eine Partei zuvor mit dem Thema Motorsport und einer klaren Positionierung in diesem Themenumfeld beschäftigt hatte.

Die SPÖ gab uns auch auf mehrmalige schriftliche sowie telefonische Nachfrage keine Antwort, was uns doch verwundert. Immerhin stellen die Sozialdemokraten mit Hans Peter Doskozil den amtierenden Bundeminister für Sport. Die Liste Pilz, die KPÖ sowie Die Weissen reagierten ebenso nicht; GILT von Kabarettist Roland Düringer verzichtet auf ein Partei-/Wahlprogramm.

Wie ist ihre Position zum Motorsport im Allgemeinen, ist Motorsport noch zeitgemäß?

Liste Sebastian Kurz – Die neue Volkspartei (ÖVP)

„Gerade, wenn ich mir die innovativen technischen Entwicklungen in den diversen Motorsportarten anschaue, wie hier etwa mit stets neuen Lösungen für mehr Sicherheit für alle Beteiligten gesorgt wird, ist die Frage, ob Motorsport zeitgemäß ist, jedenfalls zu bejahen. Das zeigt sich auch in der ungebrochenen Popularität dieser Sportarten. Zudem gibt es etwa mit der Formel-E-Meisterschaft auch im Motorsport interessante Formate, die das Potential haben, das Bewusstsein für eine umwelt- und klimaschonende Mobilität zu stärken.“

Freiheitliche Partei Österreichs (FPÖ)

„Nicht nur der Motorsport im Speziellen, sondern auch der Sport im Allgemeinen braucht einen höheren Stellenwert auf der politischen Ebene. Leider spielt bei den meisten Parlamentsparteien Sportpolitik nur eine untergeordnete Rolle, weshalb auch alle Sportanträge der FPÖ unter den Tisch fallen gelassen wurden. Selbstverständlich ist Motorsport noch zeitgemäß. Es gibt in ganz Österreich hunderte Veranstaltungen mit tausenden aktiven Motorsportlern und zigtausenden Fans. Gerade bei den Großereignissen sieht man, dass die Beliebtheit des Motorsports bei den Österreichern ungetrübt ist.“

Die Grünen – Die Grüne Alternative (GRÜNE)

„Als Grüne betrachten wir Sport in erster Linie als Möglichkeit zur Gesundheitsförderung, zum sozialen Zusammenhalt, als Mittel zu Integration und als Möglichkeit der psychischen und physischen Erholung. Motorsport erfüllt diese Kriterien nur teilweise. Dennoch anerkennen wir die Entwicklung im Motorsport hin zu einem bewussten Umgang mit Ressourcen und den Bemühungen zum Umweltschutz.“

NEOS – Das Neue Österreich gemeinsam mit Irmgard Griss, Bürgerinnen und Bürger für Freiheit und Verantwortung (NEOS)

“Grundsätzlich haben wir NEOS gegen keine legale Sportart etwas einzuwenden und Motorsport zählen wir dazu. Die Kritik, dass beim Motorsport die Umweltbelastung um einiges höher als zum Beispiel beim Fußball ist, ist nicht zu leugnen. In der Auto-/Motorbranche findet aber derzeit ein Umdenken bezüglich Umweltverschmutzung statt, was sehr viele Innovationen in der Branche mit sich gezogen hat und noch mit sich zieht. Als zeitgemäß betrachten wir den Motorsport insofern, weil durch eben diese Entwicklungen von neuer umweltfreundlicher Technik vorangetrieben wird. Uns NEOS ist klar, dass dies ein Prozess ist, der nicht von heute auf morgen stattfinden kann. Verbote halten wir aber für unnötig.”

Freie Liste Österreich & FPS Liste Dr. Karl Schnell (FLÖ)

„Zuerst halten wir fest, dass unter dem Begriff Motorsport eine große Anzahl der verschiedensten Veranstaltungen und Sportevents umfasst. Wir von der FLÖ stehen allgemein positiv zum österreichischen und internationalen Motorsport. Der Motorsport ist eine große wirtschaftliche und innovative Errungenschaft unserer Gesellschaft und deshalb auch zeitgemäß.“

FAZIT
Für die Freie Liste Österreich zählt Motorsport als „innovative Errungenschaft unserer Gesellschaft”, soweit gehen die anderen Parteien nicht. Dennoch scheint Einigkeit zu bestehen, Motorsport wird als zeitgemäß betrachtet. Die Grünen weisen darauf hin, dass Motorsport in ihrem Sportverständnis nicht als Sport zu verstehen ist. Angesprochen wird von allen, mit Ausnahme der FPÖ, die durch den Motorsport getragenen Entwicklungen ressourenschonender Technik, die Liste Kurz verweist konkret auf die Formel E.

Soll es Motorsport in Österreich geben und wenn ja, unter welchen Auflagen?

Liste Sebastian Kurz – Die neue Volkspartei (ÖVP)

„Wenn man sieht, mit welcher Begeisterung die Fans hierzulande den Motorsport verfolgen, sehe ich keinen Grund, dieser Sportart unnötige staatliche Hürden in den Weg zu legen. Es gilt selbstverständlich, Anrainer- und Umweltinteressen entsprechend zu berücksichtigen, bestehende Auflagen müssen eingehalten werden. Gleichzeitig dürfen wir nicht vergessen, dass Großveranstaltungen, wie der Formel-1-Grand-Prix von Spielberg, einen wichtigen Wirtschaftsfaktor für die jeweilige Region darstellen.“

Freiheitliche Partei Österreichs (FPÖ)

„Die FPÖ unterstützt gerne Bewerbungen für große, internationale Sportveranstaltungen. Voraussetzung dafür ist, dass die betroffene Bevölkerung zeitgerecht über solche Vorhaben eingebunden und befragt wird. Wichtig sind die Finanzierung und die Transparenz bei der Fördergeldvergabe. Wenn ein ordentliches Projektmanagement gewährleistet und ein Konzept zur Sicherstellung einer Gesamtkoordination unter Einbindung von Bund, Ländern, der betroffenen Gebietskörperschaften, der Sportverbände und der Bevölkerung vorliegt, steht einem Großereignis nichts im Weg. Österreich ist traditionell motorsportaffin, weshalb sich auch die zahlreichen kleineren Veranstaltungen quer durch unser Land größter Beliebtheit erfreuen. Motorsport-Wettbewerbe haben Multiplikatoreffekte, unter anderem für die Wirtschaft, den Tourismus und für Arbeitsplätze – nicht nur deshalb sind sie es Wert unterstützt zu werden.“

Die Grünen – Die Grüne Alternative (GRÜNE)

„Ja, Motorsport soll weiterhin auch in Österreich betrieben werden können. Als Grüne ist uns dabei allerdings der Umweltschutz besonders wichtig. Dazu gehört das Streben nach möglichst geringem Verbrauch an Mineralölen, der Umstieg auf alternative Antriebsformen und erneuerbare Energien, der Lärmschutz, der respektvolle Umgang mit der Natur (z.B. im Motocross- oder Rallyesport) und keine weitere Versiegelung von Flächen durch den Neubau von Anlagen.“

NEOS – Das Neue Österreich gemeinsam mit Irmgard Griss, Bürgerinnen und Bürger für Freiheit und Verantwortung (NEOS)

“Hier bedarf es klarer Regeln in den Bereichen Sicherheit, Umwelt- und Verkehrspolitik. Die Schallbelastung, der Abgasausstoß, gewisse Sicherheitsvorkehrungen sowohl für die Fahrer_innen, als auch für die Zuschauer_innen bei den Events sowie geeignete Fahrbahnen sind einige der Kriterien, die uns wichtig sind. Dadurch können wir einen Ausgleich zwischen der Sicherheit, Umwelt- und Verkehrspolitik einerseits und der Tourismus-, Unterhaltungs- und Gastronomiebranche andererseits schaffen, da diese von großen Sportevents profitieren.“

Freie Liste Österreich & FPS Liste Dr. Karl Schnell (FLÖ)

„Wir sprechen uns dafür aus, dass es in Österreich eine Vielzahl von Motorsportveranstaltungen geben soll. Natürlich müssen, wie bei anderen Veranstaltungen, die gesetzlichen Rahmenbedingungen eingehalten werden.”

FAZIT
Manch’ ein Rennveranstalter wird sich wundern, denn er kennt die bürokratischen Hürden bei der Durchführung einer Rennveranstaltung. Doch in unserer Fragerunde bekennen sich alle Parteien zu Motorsportveranstaltungen in Österreich – Hinweise auf gesetzliche Umweltauflagen und Sicherheitsvorkehrungen inklusive. Die FPÖ, die NEOS und die Liste Sebastian Kurz begründen das Bekenntnis u.a. mit der Ankurbelung der Wirtschaft durch Motorsportevents. Die Grünen wollen keine „weitere Versiegelung von Flächen durch den Neubau von Anlagen”.

Soll Motorsport mit anderen Sportarten wie zum Beispiel Tennis und Fußball im Bereich des Förderungswesens gleichgestellt werden?

Liste Sebastian Kurz – Die neue Volkspartei (ÖVP)

„Wichtig ist mir, dass wir auch in Zukunft eine breit angelegte Sportförderung erhalten. Mit dem neuen Sportfördergesetz ist eine gute Grundlage für die Neuausrichtung der Sportförderung in Österreich gelungen. Jetzt muss sichergestellt werden, dass die neue Struktur entsprechend umgesetzt wird und die Bundes Sport GmbH wirklich unabhängig agieren kann, um ein professionelles Management der österreichischen Sportlandschaft zu garantieren. Es müssen echte Expertinnen und Experten eingesetzt werden, deren Ziel es ist, den Breitensport in Österreich sicherzustellen, aber auch die notwendigen Rahmenbedingungen zu schaffen, dass Spitzensport in Österreich auf hohem Niveau möglich und erfolgreich ist.“

Freiheitliche Partei Österreichs (FPÖ)

„Die FPÖ bekennt sich zur finanziellen Förderung des Sports durch die öffentliche Hand. Bei der Vergabe von Sportfördermitteln und öffentlichen Zuschüssen muss die Entbürokratisierung gefördert und die Autonomie der Sportverbände gestärkt werden. Gleichzeitig muss die Arbeit von ehrenamtlichen Sportfunktionären unterstützt und darauf geachtet werden, dass alle Sportarten die notwendige, finanzielle Unterstützung in angemessener Höhe erhalten. Die Aufteilung der öffentlichen Förderung nach dem Gießkannenprinzip, an unzählige Organisationen ohne jegliches Konzept, muss ein Ende haben. Das Geld muss bei den Sportlern ankommen, das ist der Sinn der Sportförderung.“

Die Grünen – Die Grüne Alternative (GRÜNE)

„Das Förderwesen im Sport wird im Wesentlichen von den Verbänden selbst geregelt. Herausragende Stellung haben im Bundes-Sportförderungsgesetz nur der Fußball (traditionell, da die Mittel für die Sportförderung stark aus dem Toto lukriert werden), der Behindertensport (der besondere Förderung braucht) und Vernetzungsorganisationen wie das Österreichische Olympische Komitee. Die Verteilung der verfügbaren Mittel erfolgt durch die Bundes-Sport GmbH, in der die großen Verbände maßgeblichen Einfluss auf Verteilung der Mittel haben. In diesen Bereichen besteht der Sport auf seine Autonomie.“

NEOS – Das Neue Österreich gemeinsam mit Irmgard Griss, Bürgerinnen und Bürger für Freiheit und Verantwortung (NEOS)

„Generell ist uns NEOS bei Förderungen die Transparenz und Nachvollziehbarkeit sehr wichtig, so auch im Sportbereich. Die Förderung der Entwicklung von (umweltfreundlicher) Technologie sehen wir bei der Industrie angesiedelt. Auf der staatlichen Ebene sollten die Förderungen lediglich die Rahmenbedingungen für den Motorsport sowie deren Events abdecken.“

Freie Liste Österreich & FPS Liste Dr. Karl Schnell (FLÖ)

„Wir bekennen uns zur Förderung von Sportstätten, in denen Motorsport ausgeübt werden kann.“

FAZIT
Bei der Förderung von Motorsport bleiben die Parteien vage. Die bewusst offen gestellte Frage zeigt, keiner der Parteien ist sich bewusst, dass der österreichische Motorsport kaum durch den Verband finanziert wird/werden kann. Außerdem bestehen kaum vereinsähnliche Strukturen, was die herkömmliche Förderung so wie in anderen Sportarten üblich, ad absurdum führt. Die Grünen sprechen die traditonell gewachsenen Organisation der Sportförderung in Österreich an und die daraus entstandene Bevorzugung des Fußballs. Die Liste Sebastian Kurz erwartet durch das bereits beschlossene neue Sportförderungsgesetz Verbesserungen. Die Freie Liste Österreich möchte Sportstätten, in denen Motorsport ausgeübt werden kann, fördern.

 

Titelfoto: Der Grazer Bürgermeister Siegfried Nagl (v.l.) mit Motorrad-Superstar Marc Marquez und dem steirischen Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer bei einer MotoGP-Promotion-Veranstaltung in Graz 2016.
Philip Platzer/Red Bull Content Pool