Die Österreicher in Dakar

Matthias Walkner hat am Samstag die Chance, Geschichte zu schreiben: Der Salzburger steht vorm Dakar-Sieg. Österreich und die Dakar – das bedeutete vor Walkner vor allem KTM und einer, der in sieben Versuchen nie das Ziel sah und die Extremrallye trotzdem so rot-weiß-rot prägte wie kein anderer – und ein Dakar-Sieger, den keiner kennt.

1993 begann die Ära, die den Rallye-Raid-Sport noch nachhaltig verändern wird: Der österreichische Motorradhersteller KTM gründet ein eigenes Team für Marathonrallyes, der erste Werksfahrer ist Heinz Kinigadner. Der Tiroler wurde zuvor zweimal 250ccm-Motocross-Weltmeister (mit KTM) und war bereits 1991 mit einer Yamaha (die verbrannte) bei der „Dakar“ angetreten. „Es bleibt die größte Herausforderung, die es im Motorsport gibt – und irgendwann einmal schaff‘ ich‘s …“ In den Jahren bis zu seinem Rücktritt 2000 wird er es sechsmal probieren, die so legendäre und ge-fährliche Wüstenfahrt zu beenden und sechs-mal scheitern. Rahmenbruch, eine verbogene Schwimmernadel im Vergaser, mit dem Fuß in einem Sandhaufen hängen geblieben – die Liste der Gründe ist lang, fast könnte man mei-nen, Kinigadner testete für KTM alle möglichen Ausfallsarten.

Fake News
Die gern erzählte Geschichte vom weggenommen Sieg 1994 ist übrigens falsch: „Kini“ kam zwar als Erster nach Dakar, das Ziel der damaligen Route war aber in Paris, die namensgebende senegalesische Hauptstadt nur Zwischenstation. Später wurde Kinigadner dann disqualifiziert, weil er wegen eines Getriebedefekts den – nicht plombierten – Ersatz-motor von Teamkollegin Jutta Kleinschmidt in seine KTM eingebaut hatte. Kinigadner schaff-te es nach seiner aktiven Zeit, als Teammanager der „Dakar“ für lange Zeit seinen Stempel aufzudrücken. KTM gewann seit dem Premierentriumph 2001 (Fabrizio Meoni) das Wüstenspektakel 16-mal en suite. Kinigadner betonte immer wieder: „Es bleibt meine Aufgabe, dass künftig ein Österreicher vorne dabei ist.“ Es sollte allerdings bis 2017 dauern, bis mit Matthias Walkner erstmals ein österreichischer KTM-Werksfahrer (2015 war er noch Privatier) und damit auch Kinigadners Nummer 14 das erste Mal das Ziel sehen werden.

Triumph bei den Trucks
Es gibt ihn aber bereits, den österreichischen „Dakar“-Sieger: Peter Reif. Der Salzburger gewann 1997 die Truckwertung mit Navigator Johann Deinhofer in einem Hino-Truck – der einzige Sieg für den japanischen Fahrzeugher-steller. Mit 12 Etappensiegen ist er bis heute der erfolgreichste „Dakar“-Österreicher. 2003 hatte er Glück: Sein Lkw war an der libysch-ägyptischen Grenze auf eine Mine aufgefahren, die folgende Detonation überstanden der Pilot und seiner beiden Beifahrer unverletzt.