Dakar 2007: Das letzte Mal Afrika

Die Wüstenfüchse noch einmal auf dem Weg zum Lac Rose: 2007 war alles noch wie immer, ein Jahr später nicht mehr.

Foto: FREDERIC LE FLOCH / DPPI

Last men standing: Stéphane Peterhansel (re.) und Jean-Paul Cottret
Foto: Frederic Le Floch / DPPI

„Alles wie immer“: Abreise mit großer Show (diesmal aus Lissabon), vergleichsweise leichtes Aufwärmen bis runter zum Meer, Überfuhr nach Afrika und dann mit voller Wäsch’ in Richtung Senegal. Unterwegs musste eine Mauretanien-Etappe nach Terrordrohungen abgesagt werden. „Alles wie immer“ denkt man sich auch beim Blick in die Ergebnisse, zumindest bei den Autos und Bikes. Auch Österreicher taten sich die Tortur an. Raphael Sperrer beim zweiten Antritt einen Buggy von SMG und den französischen Co Sylvain Poncet. Was hatte er noch? Pech. Nach dem Crash auf der ersten Afrika-Etappe blieb der Ersatzteil-Truck aus, und das war’s. Biker Martin Freinademetz schloss auf Rang 100 ab, Klaus Pelzmann lag 80 Plätze dahinter. Aber das war Nebensache, die Zielankunft bereits ein Sieg für sich. Zwei blieben liegen. Sie waren die Todesopfer 50 und 51 der Dakar-Geschichte, und leider nicht die letzten.

Autos: Vorteil VW?

Foto: VW

Carlos Sainz blickt sorgenvoll: VW und Toyota verstolperten den Dakar-Sieg
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Wer erinnert sich noch? Mitsubishi war eine Großmacht. Die Japaner mischen im großen Rennsport längst nicht mehr mit. 2007 funkelten die drei Diamanten noch, im Aufschwung war aber VW. Zunächst führte Carlos Sainz mit dem Race Touareg II, dann sein Kollege Giniel de Villiers. Die Anderen: Robby Gordon im brutalen Zweirad-Hummer gewann eine SP, ebenso Nasser Al-Attiyah mit dem BMW von X-Raid (mit österreichischem Knowhow). Buggy-Privatier Jean-Louis Schlesser gewann deren zwei. Umsturz in Etappe 9: Technik-Zores kosteten dem „Matador“ eine Stunde und den Sieg. Anderntags stürzte die Elektronik ab. De Villiers war mit einem Motorbrand und neun Stunden Rückstand ebenfalls aus dem Spiel. Matchball für Mitsubishi: Der Routinier Stéphane Peterhansel gewann keine einzige Etappe, am Schluss lagen er und sein Co Jean-Paul Cottret aber vorne. Teamkollege Luc Alphand fixierte den japanischen Doppelsieg, Schlesser wurde Dritter. Mitsubishi zog sich nach einer desaströsen Dakar 2009 zurück. Peterhansel pilotiert heute Peugeot. X-Raid mischt mit der Marke MINI vorn mit.

Bikes: Made in Austria

Wir können’s kurz machen! Aktuell ist der Druck auf die Seriensieger von KTM so stark wie schon lange nicht, 2007 waren die Oberösterreicher völlig unschlagbar. Die Ränge 1 bis 4 gingen nach Mattighofen. Dominant war Marc Coma, bis zu seinem Ausfall zwei Tage vor dem Ziel. Heutzutage agiert der Spanier als offizieller Sportdirektor der Rallye. Der Sieger hieß Cyril Despres; der Franzose ist heute im Vierrad-Fach einer der Werkspiloten beim Top-Team von Peugeot. Für seinen Landsmann David Casteu war Rang 2 das beste Dakar-Resultat. Er ist mittlerweile sein eigener Teamchef. Der Drittplatzierte, Chris Blais aus den USA, sitzt seit einem Unfall im Rollstuhl.

Kein Wort über die Quads? Sie fuhren bis 2009 in der Motorrad-Wertung und hatten nur Exoten-Status. Ihren Durchbruch als eigenständige Klasse mit Riesen-Spektakel schafften die kleinen Vierradler erst in Südamerika, auch dank der großen Zahl schmerzbefreiter Lokalhelden. Yamaha ist bislang ungeschlagen.

Foto: Frank Uijlenbroek

Bei der Jänner-Rallye undenkbar: 9 Tonnen Rallyesport – hier der Ginaf von Wuf van Ginkel
Foto: Frank Uijlenbroek

Trucks: Mission ausgeführt

Die Klasse der Schwergewichte stand im Zeichen der Konterrevolution. Sieben Siege hatte die Rote Armee aus Tatarstan bereits in der Statistik, auf die Nummer 8 musste KamAZ-Master noch warten. Hans Stacey, der „MAN on a Mission“ (Eigendefinition) profitierte auch vom frühen Ausfall des „Zaren“ Wladimir Tschagin. Dessen Domestiken richteten gegen den fliegenden Holländer nichts mehr aus, der altgediente Ilgizar Mardejeev rettete immerhin Rang 2 vor dem Tatra-Loyalisten Aleš Loprais. Der Tscheche jagt noch immer den Sieg, Stacey fährt weiterhin MAN. KamAZ-Master hält aktuell bei 14 Gesamtsiegen. Mardejev kam 2014 ums Leben.

2008: alles anders

Ein Jahr später war die Dakar kurz. Noch in Europa zogen die Organisatoren die Notbremse. Nach tödlichen Anschlägen in Mauretanien knapp zuvor war die Sicherheit der Rallye (angeblich) nicht mehr garantiert. Wichtig war sie trotzdem. Denn 2009 startete man schon in Buenos Aires. Wegen der Sicherheit, oder doch wegen des Geldes? Medien, Sponsoren, Publikum: Südamerika hat die Dakar adoptiert, statt Einsamkeit gibt’s Star-Rummel und leider auch tote Zuschauer. Echte Abenteurer können bei der teuren „WRC XXL“  kaum mehr mit. Sie emigrieren langsam zum Africa Eco Race. Eine Splittergruppe rund um Schlesser und René Metge fährt wie gewohnt nach Dakar. Damit gibt es, wie bei der Sachertorte, eine „echte“ und eine „richtige“. Dieser Bruch ist wohl nie mehr zu kitten, obwohl die Dakar-Organisation wieder in Richtung Afrika schielt. Rallye-Raid-Fans haben nächsten Jänner wieder doppeltes Programm.