Best-of 2017: Interview Pirmin Winkelhofer

Pirmin Winkelhofer war 2017 zwischen den Welten unterwegs: Der Rallye-Co von Raimund Baumschlager und Armin Kremer nahm heuer sowohl in einem Fabia R5, im Vorjahres Polo R WRC und im neuen Fiesta WRC Platz.

 

R&m: Pirmin, wie war für dich die Umstellung?

Winkelhofer: Ja, die Umstellung für mich als Beifahrer ist schon groß, es gibt ja doch einige Unterschiede: Im R5, der auf Kundensport ausgelegt ist, ist alles sehr simpel gehalten. Das heißt, es gibt einen Bildschirm in der Mitte und dieser Dash hat vier Seiten mit allen wichtigen Parametern inklusive der Seite mit dem Tripmaster, der für mich wichtig ist. Auch das Bedienpanel ist so angelegt, dass man es schnell versteht. Die WRCs sind da schon anders aufgebaut, ein Bildschirm für den Fahrer plus ein eigener für mich, zusätzliche Seiten und Informationen, als Ganzes eben noch viel mehr Rennauto. Das ist von außen gar nicht so offensichtlich, sondern eher im Detail ausgereizt. Für den Fahrer ist die Umstellung noch größer, allein schon beim Schalten, im R5 mit Schalthebel, bei den WRC per Wippe, hydraulisch. Das war anfangs schon ein geiles Erlebnis: 2, 3, 4 … da gibt’s einen g‘scheiten Schlag und du merkst, dass die Dinger mehr Leistung haben.

R&m: Was war für dich der größere Schritt, vom Fabia R5 zum Polo WRC, oder vom Polo in der 2017er-Ford?

Winkelhofer: Eigentlich vom R5 auf den Polo. Das fühlte sich auf Anhieb wesentlich schneller an. Da musst du auch dein Timing anpassen, damit die Ansagen am Punkt kommen. Natürlich ist der Schritt zum 2017er-Ford auch noch einmal richtig groß gewesen. Das sind noch einmal rund 60 PS mehr, vor allem beim Start schiebt das dann so richtig an. Und ab mittelschnellen Kurven geht es richtig dahin, da wirkt die Aerodynamik, die ja noch mächtiger ist als beim Polo. Die Kurvengeschwindigkeiten sind Wahnsinn, das Auto bleibt aber trotzdem stabil, das muss auch erst einmal in den Kopf des Fahrers rein. Vom Topspeed her ist aber nicht viel um, auch in langsamen Kurven. Aber in den schnellen Passagen geht eben was weiter, da muss man halt noch ein bisschen schneller die nächsten Pacenotes ansagen.

R&m: Welches der drei Autos gefällt dir persönlich am besten?

Winkelhofer: Wenn ich ehrlich bin, der Polo. Das Auto ist am ausgereiftesten, richtig durchdacht. Alles ist sehr intuitiv zu bedienen. Anordnung, Bildschirm, Funktionen, in den Details einfach perfekt, auch wenn die neue Generation mehr Bums hat, aber so wie in Liezen der zweite Durchgang der SP Oppenberg, das war schon ganz großes Kino.

R&m: Abgesehen von den Fahrzeugen, macht es für dich, von deiner Arbeitsweise her einen Unterschied, ob du mit Raimund oder Armin fährst?

Winkelhofer: Nein. Das Schriebsystem ist zwar bei beiden anders, aber das ist kein Problem. Ich denke zwar mehr im System von Raimund, weil wir die ganze Saison fahren, aber man stellt sich schnell darauf ein. Man lernt ja auch mit jedem Fahrer dazu, versucht sich ständig zu verbessern, aber wenn man alles bis ins kleinste Detail plant und vorbereitet, dann passt das. Der größte Unterschied ist sicher, dass Raimund ein Profi ist. Er ist Rennfahrer, Teamchef bei BRR und somit hat sein ganzer Alltag mit Rallyesport zu tun. Natürlich auch mit körperlichem und mentalem Training, Sponsorterminen und allem, was dazu gehört, eben auf Motorsport abgestimmt. Armin ist Geschäftsmann. Sein Unternehmen, die Mecklenburger Landpute, nimmt viel Zeit in Anspruch. Für ihn ist Rallyefahren ein Hobby und doch nimmt er es sehr ernst und ist voll fokussiert, sobald wir beim Recce (Anm. Training) oder im Rallyeauto sind, was beeindruckend ist. Es ist mit beiden eine coole Erfahrung, unterschiedlich und doch irgendwie ähnlich.

R&m: Trotzdem müssen sich beide, wie du auch, mit der Technik beschäftigen. Ihr müsst wissen, wo was ist und was ihr im Falle eines Defekts noch selbst machen könnt.

Winkelhofer: Ja. Auf jedem Auto bekommst du eine Einweisung. Ich habe meine Notizen, damit ich weiß, wo ich was finde. Man muss sich ja immer ins Service oder Ziel retten können.

R&m: Wie zum Beispiel mit Raimund in Weiz.

Winkelhofer: Genau. Durch einen kleinen Defekt haben wir Bremsflüssigkeit verloren, die mussten wir nachfüllen. Das ist aber im Rallyesport eher noch das Einfachere. Andere haben schon aus diversen Teilen ganze Radaufhängungen improvisiert. Nachdem du ohnehin nur das einbauen kannst, was du im Auto mitführst, sind die Möglichkeiten bei all den Autos nahezu ident, entweder du hast, was du brauchst, oder du hast eben Pech gehabt.

R&m: Interessiert dich auch der technische Hintergrund oder siehst du es einfach als Pflicht?

Winkelhofer: Ganz im Gegenteil. Die Arbeit mit den Ingenieuren ist sehr spannend, man kann immer etwas dazulernen, egal ob das Reifen, Fahrwerk, Setup betrifft. Auch das Testen macht riesigen Spaß, wenn du die Veränderungen spürst und den Unterschied auf der Stoppuhr siehst.

R&m: Wie siehst du den Unterschied zwischen BRR und M-Sport, sind diese Teams für dich auf einem Level?

Winkelhofer: Ja. Es sind zwar andere Einsatzgebiete, aber von der Professionalität fehlt es BRR an nichts. Bei BRR sind alle mehr Allrounder. Während M-Sport für jeden Aufgabenbereich eigene Leute hat, muss beim kleineren Team eben so mancher mehrere Sachen erledigen, zum Beispiel Organisation und Wettercrew. Das ist sicherlich mehr Stress als bei den WM-Teams, wo du nicht an zwei Orten gleichzeitig sein musst, aber es ist eben ein Teamsport, sonst wäre das alles so nicht möglich.

R&m: Apropos Organisation: Du musst als Copilot ja auch viel Zeit aufwenden, wie geht es dir dabei?

Winkelhofer: Derzeit noch gut. Ich studiere Weinbau in Wien. Da konnte ich mir bisher alles gut einteilen. Auch jetzt im Praktikum hatte ich Glück, mein Chef hat mir für Liezen frei gegeben, war sogar selbst am Wochenende zuschauen. Ansonsten ist es eben viel Arbeit, die ich aber sehr gerne mache. Recce-Pläne erstellen, alle Dokumente, Ausschreibungen, Teampläne durchlesen und eben schauen, dass man alles bereit hat. Gerade in der WM, wo du bestimmte Zeitfenster zum Besichtigen hast, muss das passen. Da hat mir mein Vater viel beigebracht, aber auch Raimund ist mein Mentor, von ihm habe ich viel gelernt. Unser ORM-Projekt macht mir sehr viel Spaß und das motiviert mich wiederum.

R&m: Wie war das mit deinen M-Sport-Kollegen, konntest du von ihnen auch etwas lernen?

Winkelhofer: Natürlich. Die Atmosphäre im Team war toll. Julien Ingrassia hat sich für meine Fragen genauso Zeit genommen. Mit dem Beifahrer-Weltmeister zusammenzuarbeiten war eine tolle Erfahrung und ich konnte mir wieder ein, zwei Dinge abschauen. Auch das gesamte M-Sport-Team hatte immer ein offenes Ohr, wenn man ein Anliegen hatte.

R&m: Was sind deine nächsten Ziele, nachdem du ja schon so einiges erlebt hast?

Winkelhofer: Ich bin glücklich, so wie es ist. Natürlich träumt jeder davon Profi zu sein, aber davon leben können eben nur ganz, ganz wenige. Ich hoffe, dass die Rallye Neuseeland wieder einmal im WM-Kalender ist. Diese Rallye würde ich wirklich gerne fahren.

Dieses Interview erschien in Ausgabe 9/Oktober 2017, zum Nachbestellen unter office@rally-more.at oder als E-Paper im APA-Kiosk

Titelbild und Text: Robert May