Best-of 2017: Interview Markus Altenstrasser

Er steht auf schweres Gerät, jede Menge PS und harte Zweikämpfe − der Grieskirchner Markus Altenstrasser ist seit vielen Jahren Österreichs einziger Truck-Race-Pilot. Wir sprachen mit ihm beim voerst letzten Truck Grand Prix am Red Bull Ring. 2018 ist kein Rennen der Truck-EM in Österreich geplant.

R&m: Wie kommt man auf die Idee, mit solchen Ungetümen Rennen zu fahren?

Altenstrasser: Das war Zufall. Im Jahr 2005 ist ein Fahrer für 2006 gesucht worden. Ich hatte keinen Vertrag und habe mir das genauer angeschaut: Lkw fahren? Eigentlich eine interessante Geschichte, so bin ich ins Truck Race reingerutscht. Es gab aber auch ein Motorsportleben vor den Trucks. Losgegangen ist alles mit fünf Jahren auf einer Motocross-Maschine. Das mit den zwei Rädern hat mir aber gar nicht gefallen. Dann hab‘ ich ein Kart bekommen, bin in Österreich ein bisschen gefahren; dann ist man nach Italien, ist ein paar Rennen zur Europameisterschaft gefahren. Dann bin ich gestiegen in den Formel Renault, Formel VW, ein paar Rennen im Sportwagen, im Tourenwagen. So hab‘ ich das ganze Programm durchgearbeitet.

R&m: Was konntest du von dieser Erfahrung in den Truck-Rennsport mitnehmen?

Altenstrasser: Man hat eine gewisse Routine und weiß in bestimmten Rennsituationen, wie zum Beispiel am Start, wie man sich zu verhalten hat. Aber die Masse zu bewegen, dauerhaft schnell zu sein, das spezielle Prozedere mit Super Pole, mit den vier Rennen, die umgedrehte Startreihenfolge – das erfordert einige Tricks, das ist schon sehr eigen. Es gibt auch nur eine andere Szene, wo so hart gefahren wird wie da. Die ist ähnlich populär und ist vergleichbar mit uns: nämlich Rallycross. Die haben Spielzeugautos, wir haben große Autos.

R&m: Was hat ein Lkw-Hersteller wie Iveco davon, sich hier zu beteiligen?

Altenstrasser: Der Zeitpunkt für den Start ihres Engagements ist genau richtig. Wir haben keinen Nachteil mehr mit unseren Motoren, die Marke steht zu 100 Prozent dahinter. Ich glaube, für den Sport und für uns als Team ist es wichtig, dass die Industrie mit dabei ist.

R&m: In der britischen Truck-Serie gibt es, anders als in der EM, keine Geschwindigkeitsbegrenzung. Sollte man die auch hier aufheben?

Altenstrasser: Es muss eine Begrenzung geben. Die Trucks wiegen fast fünfeinhalb Tonnen. Wenn so ein Truck zum Beispiel im Nassen aufschwimmt und fliegt, dann reichen 160 km/h mehr als aus. Die Absperrungen, die es auf den Strecken gibt, sind für Tourenwagen bis 1.500 Kilogramm ausgelegt – wenn einmal eine Masse von 5,5 Tonnen auf eine Leitplanke drückt, legt sich die Leitplanke um und sagt „Nein danke, ohne mich“!

R&m: Dieses Jahr gab’s einige Strafen wegen dem Überfahren der Track Limits, was hältst du davon?

Altenstrasser: Es kann einmal einen Rutscher auf der Vorder- oder Hinterachse geben und es trägt einen weiter raus. Hier am Red Bull Ring haben wir sehr schwache Corner-Marker. Das heißt, da sind nur bewegliche Stifte drinnen. Das ist gut, denn dann hat man keinen Schaden am Fahrzeug. Auf anderen Rennstrecken stehen richtige Reifenstapel und das tut richtig weh.

R&m: Du bist auch Präsident des MSC Rottenegg. Wie siehst du die Entwicklung in Sachen Nachwuchsförderung in Österreich?

Altenstrasser: Ich glaube, es gibt keinen zweiten Verein, der Nachwuchsfahrer so tatkräftig unterstützt wie wir. Das ist auch der Sinn, warum wir unsere Bergrennen veranstalten: um das Ganze wieder in den Motorsport reinzustecken. Motorsportförderung in Österreich hat insgesamt noch ein wenig Nachholbedarf, da sind wir nicht so gut aufgestellt wie andere Länder.

Dieses Interview erschien in Ausgabe 5/Juni 2017, zum Nachbestellen unter office@rally-more.at oder als E-Paper im APA-Kiosk

Text: Keijo Keke Platzer und Joe Egger-Richter
Titelbild: Philip Platzer/Red Bull Content Pool