Best-of 2017: Interview Ferdinand Habsburg

Ferdinand Habsburg gewann 2017 sein erstes Rennen in der Formel-3-Europameisterschaft. Im Jänner 2018 debütiert der 20-Jährige im Team von Jackie Chan bei den 24 Stunden von Daytona. Ein Gespräch über die Leichtigkeit des Siegens, eine gebrochene Hand und Spritsparen.

R&m: Ferdinand, du nimmst dir während des Mittagessens Zeit für uns. Ist Spielberg für dich das stressigste Wochenende des Jahres?

Habsburg: Natürlich passiert hier am meisten, gleichzeitig haben wir das aber auch super organisiert. Ich bekomme genügend Zeit für mich. Ich habe sehr viele Gäste da, die auch Zeit mit mir verbringen wollen: alte Freunde, Nannys sogar. Es ist beruhigend zu sehen, wie viel Support ich bekomme.

R&m: Wer ist deine wichtigste Ansprechperson während des Rennwochenendes?

Habsburg: Der Ingenieur, weil er entscheidet, ob das Auto gut oder schlecht läuft und wie ich damit umgehen soll. In der Formel 3 musst du eigentlich schon so gut fahren können, dass du den Drivers Coach nicht mehr brauchst, der soll dich in den richtigen Momenten pushen und mental für dich da sein. Mein Manager, der Jamie, kennt mich einfach sehr genau. Er war bei jedem Rennwochenende, das ich gefahren bin, mit dabei. Der merkt, wie ich mich gerade fühle und sagt mir, wenn ich einen Push brauche oder mich beruhigen soll. Früher hat er mir auch fahrerisch Tipps gegeben, das ist weniger geworden. Meistens sehe ich selber, wenn ich etwas falsch mache. Es ist dann halt schwierig, was zu verändern.

R&m: Was hat dich heuer am meisten überrascht?

Habsburg: Mein erster Sieg war eine Überraschung, aber auch irgendwie erwartet. Mehr überrascht hat mich, wie gut das Auto läuft, vor allem Anfang bis Mitte der Saison – das hat mir anfangs geholfen. Ich habe mir am ersten Rennwochenende sehr schwergetan, wobei das Auto gut war und das wusste ich. Wenn das Auto nicht so gut ist wie das der anderen, dann hast du das immer im Kopf. Wenn das Auto besser wäre, dann könnte ich doch vielleicht besser fahren … Ich musste es nur umsetzen. Dann kamen die Resultate: Monza, Zandvoort, Spa. Es gab eine aufbauende Konstanz, natürlich kamen auch Fehler dazu. Aber die waren akzeptabel, aus denen lernte ich.

R&m: Was war dein Tiefpunkt der Saison? Die gebrochene Hand am Norisring?

Habsburg: Norisring schaut schlecht aus von den Resultaten, aber ich werde meinen Kids einmal sagen, euer Papa ist mit gebrochener Hand dort gefahren, und hat zwei Wochen später in Spa ein Rennen gewonnen. Und das obwohl der Arzt gesagt hat, sechs Wochen nix zu tun. Im dritten Rennen habe ich fast noch ums Podium gekämpft, bis mir die Hand wirklich wehgetan hat. Wo ich mir mehr Sorgen mache, ist Silverstone. Weil da war ich das ganze Wochenende langsam. Am ersten Wochenende bist du zwar überwältigt und nervös, das ist ganz normal, aber da hätte noch was kommen sollen.

R&m: Du wurdest heuer mehrfach für Kollision bestraft, gehört das in einer Rookie-Saison dazu?

Habsburg: Wenn ich das nicht hätte, würde ich sagen, dass ich nicht hart genug pushe. Das Rennen in Spa, wo ich gewonnen habe, war eines der leichtesten Rennen, das ich jemals gefahren bin. Da gibt’s nicht viel zu lernen. Solche Rennen, wo du dich verbremst, zu wenig oder zu viel pusht – da kannst du lernen. Nürburgring war richtig schwierig, genau da bildest du den Charakter. Es ist gut, jetzt die schwierigen Wochenenden zu haben, damit es nächstes Jahr leichter wird.

R&m: Hängst du ein zweites Jahr in der Formel-3-Europameisterschaft dran?

Habsburg: Es ist überhaupt nichts fix, aber ich würde es gerne noch einmal machen. Ich möchte eigentlich mit Verträgen gar nix zu tun haben. Ich möchte einfach die schnellste Karre am Grid haben – egal ob rot oder blau. Ich weiß von manchen Team-kollegen, die in Formel-1-Juniorteams sind, dass sie GP3 machen sollen. Ich habe Gott sei Dank die Freiheit zu sagen, ich kann tun, was ich will.

R&m: Ist die GP3 ein Rückschritt?

Habsburg: Vom Auto her nicht, aber von der Qualität des Fahrens ist die GP3 ein Rückschritt. In Monza sind sie am Wochenende, glaub‘ ich, so um die 38 Runden gefahren. Das bin ich fast in einem Rennen gefahren. Ich lerne halt noch sehr viel, und da ist die Formel 3 mega, weil du viele Run-den fährst. Du lernst dort die Pirelli-Reifen ken-nen, was zwar super ist, es ist auch geil mit der Formel 1 zu fahren, aber du bist der letzte oder der erste der fährt. In der Formel 3 gibt es kein DRS, es gibt kein Reverse Grid, es gibt nix von dem Scheiß. Wenn du schnell bist, gewinnst du, sonst nicht. In der GP3 kannst du auch anders gewinnen. Hast du’s dann verdient? Nein. Ist es richtig? Meiner Meinung nach nicht. Für den Zuschauer ist es vielleicht lustiger zum Zuschauen, für Sponsoren sieht es auf den Bildern auch gut aus. Habe ich dann einen größeren Respekt vor dem Fahrer? Nein. Habe ich Respekt vor einem Fahrer, der hier ein Rennen gewinnt? Ja.

R&m: Weil du die Reifen ansprichst: Dort wo du hinwillst, nämlich in die Formel 1, musst du auch zum Reifenflüsterer werden.

Habsburg: In der Formel 1 ist viel mehr Technologie: Fuel Saving und so weiter. Das kann man im Endurance lernen, so wie in Daytona oder in Le Mans – das würde mich auch reizen. Das muss ich nicht in der GP3 lernen. Formel-1-Teams sind schon intelligent genug, wenn sie Leute wie Lance Stroll oder Max Verstappen holen, ihnen beizubringen, wie man mit den Reifen umgeht. Wenn du gut genug bist für die Formel 1, dann wirst du auch clever genug sein, mit den Reifen umzugehen.

Dieses Interview erschien in Ausgabe 9/Oktober 2017, zum Nachbestellen unter office@rally-more.at oder als E-Paper im APA-Kiosk

Titelbild: FIA F3