Best-of 2017: Interview Alexander Wurz

Nach Franz und Alexander kommen Charly, Felix und Oscar – Familienvater Alex Wurz sprach im Sommer mit uns über den Motorsportnachwuchs in Österreich und den im hauseigenen Kinderzimmer.

R&m: Bist du hier an der Kartstrecke in Bruck zum Karriereaufbau deiner Jungs oder zum Familienausflug?

Wurz: Es ist schon mehr als ein Familienausflug. Wenn ich merke, dass sich die Kids einsetzen, dann helfe ich ihnen auch dabei – mit Kontakten, mit Wissen. Ich steh‘ hier als ihr Hauptsponsor. Das tolle am Kartsport ist, dass sie sich auch zuhause, in der Schule, besser entwickeln – der Kartsport ist die beste Karotte, die ich habe. Das habe ich vom Papa gelernt, der hat das auch mit mir so gemacht.

R&m: In den letzten Jahren ist sehr viel Geld in den österreichischen Motorsport geflossen, man denke nur an Red Bull, aber wo sind die österreichischen Formel-1-Fahrer?

Wurz: Wir waren bis vor einem Jahrzehnt immer gut vertreten. Im Moment ist das eine dürre Geschichte, da hat auch der Stillstand des A1-Ring dazu beigetragen, und die Wirtschaftskrise. Ich hoffe, dass die starken Positionen vieler Österreicher in der Königsklasse nun dazu führen, dass auch wieder mehr junge Fahrer unterstützt werden und nach oben kommen.

R&m: Viele wollen Rennfahrer werden, wie setzt man sich da durch?

Wurz: Im Kartsport gibt es Hunderttausende weltweit, da wird gefiltert. Profisportler, die wirklich Geld im Motorsport verdienen, gibt es insgesamt vielleicht 30, 40 – da ist nicht viel Platz. Wir müssen stolz sein, dass wir viele Profis aus Österreich hatten. Genauso müssen wir zusammenhalten und unterstützen, damit der österreichische Motorsport einen gesunden Kern hat. Gerade jetzt, in der Nachkrisenzeit ist es schwer, nur mit Talent nach oben zu kommen, weil viele mit dem Geld daherkommen, vor allem aus den Entwicklungsländern.

R&m: Für Motorsport brauchte man immer Geld.

Wurz: Der Motorsport war von der Pike auf ein Elitensport. In den 80ern bis in die 2000er-Jahre ist es besser geworden, als die Wirtschaft boomte. Ab 2008 hat sich das wieder dramatisch verändert. Geld bringt dich nach oben, aber wenn du einmal dort bist, dann ist die Luft wieder sehr dünn – dann brauchst du eben wieder das Talent. Zum Beispiel im Kart: Wenn du wirklich ein Talent bist, aber nicht das beste Material hast, dann nutzt du halt ein Regenrennen aus oder bringst ein Rennen mit einem guten Motor zusammen. Talente setzten sich unterm Strich immer durch.

R&m: Wie gut sind die österreichischen Kartfahrer im internationalen Vergleich?

Wurz: Der österreichische Kartsport ist gesund, könnte aber um einiges größer sein. Es gibt mehrere Kartstrecken und wieder eine österreichische Kartmeisterschaft – da ist schon ein Aufschwung da. Aber wir müssen mehr internationale Konkurrenz einladen, so wie hier beim Kartfestival. Ich würde mir wünschen, dass viele Väter ihre Buben und auch Mädchen zu Schnupperrennen bringen. Es gibt keinen Grund, dass nicht auch Mädchen es in die Formel 1 schaffen können!

Dieses Interview erschien in Ausgabe 8/September 2017, zum Nachbestellen unter office@rally-more.at oder als E-Paper im APA-Kiosk

Text: Joe Egger-Richter
Titelbild: Toyota Motorsport